Im Rotlicht der Taschenlampe purzelt ein Pinguin nach dem anderen aus den Wellen. Sie rappeln sich auf, schütteln sich, inspizieren ängstlich den Strand. Die Szene spielt in Low Head, nahe George Town, in Nordtasmanien. Jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit kommen hier die Zwergpinguine (Eudyptula minor) an Land. Die Tiere leben in Kolonien an der ganzen südlichen Küste Australiens, sowie auf Tasmanien und in Neuseeland.
Es gibt 18 verschiedene Pinguinarten auf dieser Welt, der Zwergpinguin ist der kleinste. Die Spezies wird ca. 35 bis 40 Zentimeter groß. Das Gewicht beträgt dabei ca. ein Kilo. Zwergpinguine sind den ganzen Tag im Meer wo sie die meiste Zeit Fische fangen. Die Tiere müssen jeden Tag 25 Prozent ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen. Abends kommen sie an Land um sich auszuruhen oder ihren Nachwuchs zu füttern.
In Low Head werden abends Führungen zu der Pinguinkolonie veranstaltet. Shirley die Tourleiterin gibt allerhand Informatives zum Besten während wir, die acht Besucher, versuchen einige Eindrücke von den Tieren per Kamera einzufangen. Die Zwergpinguine haben sich hinter einem schützenden Felsen zu einer kleinen Gruppe versammelt. Das machen sie meistens bevor sie den Strand in Richtung ihrer Höhlen überqueren. An Land sind die Tiere
"Bucht der Pinguine" bei Tag
sehr unbeholfen und können leicht zur Beute werden. Sie müssen sich vor großen Vögeln wie Möwen oder Seeadler fürchten, aber auch der Mensch mit seinen Haushunden ist eine Gefahr. Die letzten Meter im Wasser sind gefährlich, da warten gerne Robben und Seelöwen auf die Pinguine. In der Gruppe fühlen sich die Tiere sicherer und wie auf Kommando marschieren sie alle auf einmal los.
Zwergpinguine
Die Besuchergruppe ist begeistert, manche Damen kriegen sich gar nicht mehr ein, es wird gequietscht und gekichert, Kommentare wie „isn’t that cute“ sind zu hören, was so viel heißt wie „ist das nicht süß“. Ja, es sieht schon sehr lustig aus wenn die Zwergpinguine über den Strand watscheln, irgendwie steif, dabei sehr unbeholfen, immer versuchend das Gleichgewicht zu halten, kein Tier will zurückbleiben und den Anschluss an die Gruppe verlieren. Hier und da fällt mal ein Pinguin hin, steht aber sofort wieder auf und legt einen Zwischenspurt ein um wieder mit seinen Artgenossen aufzuschließen. Am Ende des Strandes legt die ganze Gruppe noch mal an Tempo zu, um möglichst schnell das schützende Gebüsch zu erreichen.
Wir folgen Shirley vorsichtig an den Rand der Kolonie. Hier wartet schon ein Baby Pinguin ungeduldig piepsend auf Futter. Endlich erscheinen die Eltern und der wild bettelnde Nachwuchs bekommt sein Futter. Wir können das Schauspiel aus nur zwei Meter Entfernung beobachten. Bis Mitternacht werden immer wieder kleine Gruppen von Pinguinen in der Kolonie eintreffen, erst vor Sonnenaufgang tauchen sie wieder hinab in die Tasmanische See.
Leuchtturm oberhalb der Pinguinkolonie
Mehr Infos über Pinguinkolonien in Australien
In Australien gibt es weitere Orte an denen Kolonien der Zwergpinguine beheimatet sind, ich habe die mir bekannten Orte hier einmal aufgelistet:
Lateinischer Name: Eudyptula minor (bedeutet soviel wie guter kleiner Taucher)
Englische Namen: Little Penguin, Fairy Penguin, Blue Penguin, Little Blue Penguin
Größe: maximal etwa 35 bis 40 Zentimeter, das Männchen ist dabei ein wenig größer als das Weibchen
Gewicht: etwa 1 Kilo
Verbreitungsgebiet: An der gesamten Südküste Australiens. Im Osten hinauf bis etwa nach Sydney, und im Westen bis auf die Höhe von Freemantle. Weiter findet man die Zwergpinguine in Tasmanien sowie in Neuseeland. In Tasmanien lebt nur 5 Prozent der Pinguin Population auf dem Festland, der Rest ist auf Inseln zu Hause. Die Tiere leben in großen Kolonien. Dort haben sie Höhlen von 60 bis 80 Zentimeter Tiefe gegraben
Gewohnheiten: Der Zwergpinguin verbringt den ganzen Tag im Meer um nach Nahrung zu suchen. Abends kommen sie in kleinen Gruppen zu ihren Kolonien zurück um sich auszuruhen. Dabei stoßen sie bellende Geräusche aus. In der Kolonie wird auch gebrütet und dort bleiben die Zwergpinguine während der Mauser.Nach der Brutzeit müssen die Pinguine viel fressen um die zweiwöchige Mauser zu überstehen. Auch sozialer Kontakt in der Gruppe ist sehr wichtig. Zum Sonnenaufgang tauchen die Tiere wieder hinab ins Meer. Manchmal verbringen sie mehrere Tage auf See wo sie auch schlafen.
Eigenschaften: Zwergpinguine können hervorragend sehen und hören. Außerdem sind sie besonders gut dem Leben im Meer angepasst. Der stromlinienförmige Körper lässt sie geradezu durch das Wasser fliegen.
Gefieder: Die Tiere haben etwa 10000 Federn, das Gefieder ist drei bis vier Mal dichter als das von fliegenden Vögeln und absolut wasserdicht. Die dunkele Farbe des Rückengefieders ist von oben im Meer kaum zu erkennen, somit eine perfekte Tarnung. Auch wegen der silbrigen Farbe der Brustfedern sind die Pinguine von unten im Meer gegen die Oberflächenspiegelung schwer auszumachen.
Tauchtiefe: In der Regel zwischen 10 und 30 Meter, der gemessene Rekord liegt bei 57 Meter
Durchschnittliche Lebenserwartung: Ca. 7 Jahre, in Ausnahmefällen können sie bis zu 20 Jahre erreichen
Brutzeit: 33 bis 37 Tage, das Elternpaar teilt sich die Brutarbeit. Es werden zwei Eier gelegt. Das schlüpfen ist eine langsame Sache, sie kann bis zu drei Tagen dauern, 60 Prozent der Eier werden erfolgreich ausgebrütet
Gewicht des Kükens nach dem Schlüpfen: 25 Gramm, nach 40 Tagen ist das Junge schwerer als die Eltern
Nahrung: Kleine Fische wie zum Beispiel Sardinen, Krabben oder auch kleine Tintenfische. Sie müssen täglich 25 Prozent ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen, wenn sie Junge aufziehen auch mehr.
Feinde: Haie, Seelöwen, Robben, Seeadler, Möwen, Füchse, Schlangen, Tasmanischer Teufel, wilde Katzen, Hunde, manchmal auch Menschen (leider).